Professionelles Fundraising in den USA: Licht und Schatten

Lernhungrige Fundraising-Spezialisten aus dem deutschen Sprachraum auf der Treppe der McGill-Universität in Montreal, Autor 2. von links hinten

 

Der Deutsche Fundraising-Verband organisiert regelmässig Studienreisen. Andreas Cueni war zum zweiten Mal nach 2005 unterwegs zum Studium des US-Fundraisings, das halt mehr Geschichte und eine länger anhaltende Professionalisierung kennt als in unserem Land.

 

Mitte Oktober 2011 eröffnete der Verband mit dem neusten Angebot die Möglichkeit, Nonprofit-Organisationen in Montreal und Neuengland kennenzulernen und sich mit den dort arbeitenden Fundraising-Fachleuten auszutauschen: während einer Woche bis zu drei Präsentationen und Diskussionen täglich, bestens vorbereitet von allen Beteiligten, besonders von Claudia Bierhoff, Mitarbeiterin der deutschen Verbands-Geschäftsstelle, sehr inspirierend, und verbunden mit dem Austausch von Geschenken wie z. B. volle Dokumentationsmappen der Gastgeber. Mehrere bekannte Universitäten wie McGill, Vermont, Dartmouth und Harvard waren Reisestationen - diese verfügen über Fundraising-Abteilungen, die 100 und mehr Leute umfassen, regelmässig wachsen und die auch von der Wirtschaftskrise reden - diese beeinflusst aber ihre Planung und das Setzen von ständig höheren Kampagnen-Zielen, um die Konkurrenz zu übertreffen, mässig. Einer der Gesprächspartner erhielt ein Jobangebot als Betreuer der Spender für eine medizinische Fakultät, das mit einem Salär von einer halben Million US-Dollar dotiert war. Den Fundraising-Aufwand beziffern die Uni-Fundraiser der hohen Erträge wegen trotzdem nur auf 10-14 %.

 

Andererseits: Die Präsidentin der Vereinigung der Fundraiserinnen in Boston, Usha Parsi, sprach davon, dass Fundraising teilweise auch den Anschein einer "Pink Profession" erhält, also eines vor allem von Frauen ausgeübten und damit eher schlecht bezahlten Berufes. Oft zieht er Frauen an, die auf ein weiteres Einkommen im Haushalt zählen können und nicht alleine vom eigenen Verdienst leben müssen. Da ist es nur ein kleiner Trost, dass Fundraising laut Bevölkerungs-Umfragen in den USA zu den geachtesten Professionen gehört, wie Reiseleiterin Marita Haibach wusste.

 

Auf dem Land draussen ist es auch gar nicht einfach, fähige Leute zu finden: Der Geschäftsführer einer lokalen sozialen Einrichtung in den Hügeln Vermonts musste den für eine kleine Kapitalkampagne engagierten Fundraiser bald wieder von dannen schicken, nachdem dieser mit der Vertreterin einer Förderstiftung nach Feierabend anzubändeln versucht hatte. Nach einer zweiten schlechten Erfahrung mit Fundraisern versucht's der Geschäftsführer selber. Er tritt in Helly Hansen-Jacke und völlig abgewetzten Schuhen auf und packt auch noch überall in seinem sehr ärmlich eingerichteten Laden (so bescheiden eingerichtet findet sich keine Nonprofit-Organisation in der Schweiz) mit eigenen Händen. Seine Marketing- und Fundraising-Ausgaben liegen auch nur bei 3 % Aufwandanteil. Ihn trifft aber die Wirtschaftskrise hart, ihm fehlt im Oktober eine halbe Million Dollar Ertrag bei einem Budget von rund vier Millionen, und sein Organisationsvermögen beträgt ein paar 100'000 Dollar. Die Milliarden-Endowments und die Fundraiser, die sich ihren Job aussuchen können, haben auch wieder nur die privaten Universitäten.

 

 

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