Mittelbeschaffung bedeutet eine Organisation entwickeln

Nordamerikanisches Fundraising benennt sich selbst gewählt gegen aussen, für die Kundschaft und das breite Publikum. Die zuständige Abteilung heisst Development Office oder Develoment Department. Das hat nicht nur den Vorteil, dass dessen Verantwortliche beim Zeichnen von Briefen und Abgeben von Visitenkarten die Gönner nicht gleich als Funds-Eigner ansprechen müssen. Das Development macht gleichzeitig darauf aufmerksam, dass seine Arbeit eine Organisation sich entwickeln lässt (oder auch nicht bei mässigem Erfolg). Der Begriff passt, weil es der Abteilung nicht nur um Funds geht, sondern sie diese aufgrund von entwickelten Beziehungen zu den Gönnern erfragt.

Dahinter steckt die Tatsache, dass viele Fundraiserinnen und Fundraiser ihrer Organisation treu ergeben sind. Nach einem oder gar zwei Jahrzehnten beim gleichen Arbeitgeber (solche langfristigen Dienstverhältnisse kennen die deutschen oder Schweizer NPO selten - am ehesten noch in renommierten Kulturinstitutionen?) drücken sie im Gespräch hohe Identifikation aus, kennen ihre guten Gönner, auch in ihren privaten Verhältnissen, und führen mit ihnen problemlos Fachgespräche über ein Bild ihres Museums, die neueste Premiere in ihrer Oper oder die Bedürfnisse ihrer Uni oder Krebsklinik.

 

Erfahrene Leute sind nicht nur Fundraising-Techniker, sondern Botschafter ihrer Organisation, und das Reden und Präsentieren scheinen Schulen in den USA sowieso stärker zu fördern als hier. Jeder Fundraiser, ob Chef oder Projektleiter, kann seinen europäischen Kollegen, die ihn auf Studienreise besuchen, frei und ohne zu stocken minutenlang seine Aufgaben erklären und Fragen beantworten.

Höhepunkt der Entwicklung der Beziehung zwischen Gönner und seiner Organisation ist nicht die Überschreibung des Nachlasses, wie in den Upgrading-Grafiken unserer Lehrbücher. Die nordamerikanischen Fundraiser wollen bedeutende Engagements zu Lebzeiten bewirken, während einer Campaign. Die wechseln sich an den privaten Unis mit kampagnenfreien Zeiten laufend ab, und dauern je etwa fünf bis sieben Jahre.

 

Andere Organisationen versuchen ihre regelmässigen Spender etwa für Bauten-Kampagnen zu ausserordentlichen Engagements zu überzeugen. Werbematerialien für Legate gelangen wenig in Zirkulation, die helfen ja nicht beim Erreichen der Ziele einer Kampagne. So ein Vorhaben bietet übrigens auch immer Gelegenheit, das Development Department personell weiter auszubauen - Forschung, die Jahrzehnte überblickt, hat nun auch bewiesen, dass es sich nicht lohnt, am Kampagnenende die Leute wieder abzubauen, sonst sinken sogar die jährlichen Erträge in der kampagnenfreien Zeit.

 

Natürlich haben auch Rektoren und Direktoren von Organisationen im Zusammenspiel mit dem Development ihre Aufgaben, z. B. im Umgang mit den allerbesten Gönnern, und ob sie diese gutmachen, wird registriert und hilft die Karriere fördern. Gelegentlich hat Fundraising eine derart eminente Bedeutung, dass es dessen Leiter sogar auf den obersten Chefposten der NPO schaffen.

Ein anderer, wertsteigernder Titel für die Fundraising-Abteilung ist Advancement. Er taucht schon 1980 in George A. Brakeleys Jr. Lehrbuch "Tested Ways to Successful Fund Raising" auf und darf mit Förderung oder Weiterkommen übersetzt werden. In der Realität ist er aber weit weniger gebräuchlich als Development.

Anregungen für eine Übertragung ins Deutsche bieten zudem die Funktionen-Bezeichnungen der Fundraising-Verantwortlichen. In einer grossen Abteilung gibt es eine Menge Directors, so für Annual Giving, Capital Gifts, Foundations, Public Relations etc. Wer steht über den Directors und ihren Associate und Assistant Directors? Der Vice President for Development, dessen Titel gewöhnlich Einsitz in der Geschäftsleitung bedeutet, damit hohe Relevanz des Fundraisings in der Organisation und Möglichkeit für dessen Chef, in der Gesamtplanung mitzuwirken.

 

 

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